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[NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

*PiperHalliwell

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18 November 2004
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Ort
The wonderful world of DiNozzo!
Hallo Ihr Lieben! :)

Ja, ich weiß, jetzt nerve ich schon wieder mit einer neuen FF.
Aber die Idee dazu kam einfach so über mich.
Außerdem sind ja bekanntlich aller guten Dinge drei.
Diesmal wird es sich nicht um eine reine Pairing-Story handeln.
Derzeit sind drei Kapitel fertig und Nr. vier und fünf zur Hälfte.
Trotzdem werd ich mich vorerst drauf beschränken, einmal pro Woche zu posten.

Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen und freu mich über jeden Kommi.

LG Claudia


• Autor: *PiperHalliwell
• Titel: “Drops of Blood falling down in Snow“
• Disclaimer: Alle Charaktere der Serie NCIS sind geistiges Eigentum ihrer Erfinder Donald P. Bellisario und Don McGill und unterliegen dem Copyright von Bellisario Productions, Paramount Pictures und CBS.
Diese Story dient lediglich zur Unterhaltung, und ich beabsichtige nicht, Geld damit zu verdienen. Die Hintergrundgeschichten der Charaktere - sofern sie nicht der Wahrheit entsprechen - sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden und toten Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Das Märchen „Schneewittchen“ (Stelle 53 in den „Kinder- und Hausmärchen“) leihe ich mir lediglich von den Gebrüdern Grimm aus.
• Genre: Drama/Thriller und ein wenig Romantik
• Charaktere: Leroy Jethro Gibbs, Anthony „Tony“ DiNozzo, Caitlin „Kate“ Todd, Timothy „Tim“ McGee, Abigail „Abby“ Sciuto, Dr. Donald „Ducky“ Mallard und Jimmy Palmer
• Pairing: Tate
• Inhalt: Am prasselnden Kaminfeuer sitzend und das ungemütliche Herbstwetter nach draußen verbannt, möchte ich euch mitnehmen in die (vielleicht nicht ganz so) zauberhafte Welt der Märchen.
Es war einmal vor langer Zeit in einem weit entfernten Königreich...
• Zeitliche Einordnung: etwa Mitte der 2. Staffel



NCIS_FF_6_3.jpg



Drops of Blood falling down in Snow


Prolog: „Once upon a Time...“
Indianapolis, 05. Januar 1980

„Mummy, liest du mir noch eine Geschichte vor?“, fragt das kleine Mädchen seine Mutter mit einem bettelnden Blick. Die Angesprochene setzt sich lächelnd auf das Bett ihrer Tochter und nimmt das Märchenbuch zur Hand. Nachdem sie die Kleine zugedeckt hat, sieht diese sie mit erwartungsvoll aufgerissenen Augen an, so dass die Mutter beginnt, ihr Lieblingsmärchen vorzulesen: „Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab. Da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: 'Hätt' ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen!' Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz und ward darum Schneewittchen genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin. Über ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermütig und konnte nicht leiden, dass sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden. Sie hatte einen wunderbaren Spiegel; wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie:
»Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?«
so antwortete der Spiegel:
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.«
Da war sie zufrieden, denn sie wusste, dass der Spiegel die Wahrheit sagte. Schneewittchen aber wuchs heran und wurde immer schöner, und als es sieben Jahre alt war, war es so schön, wie der klare Tag und schöner als die Königin selbst. Als diese einmal ihren Spiegel fragte:
»Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?«
so antwortete er:
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.«
Da erschrak die Königin und ward gelb und grün vor Neid. Von Stund an, wenn sie Schneewittchen erblickte, kehrte sich ihr das Herz im Leibe herum, so hasste sie das Mädchen. Und der Neid und Hochmut wuchsen wie ein Unkraut in ihrem Herzen immer höher, dass sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da rief sie einen Jäger und sprach: »Bring das Kind hinaus in den Wald, ich will's nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es töten und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.« Der Jäger gehorchte und führte es hinaus, und als er den Hirschfänger gezogen hatte und Schneewittchens unschuldiges Herz durchbohren wollte, fing es an zu weinen und sprach: »Ach, lieber Jäger, lass mir mein Leben! Ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr wieder heimkommen.« Und weil es gar so schön war, hatte der Jäger Mitleiden und sprach: »So lauf hin, du armes Kind!« 'Die wilden Tiere werden dich bald gefressen haben', dachte er, und doch war's ihm, als wäre ein Stein von seinem Herzen gewälzt, weil er es nicht zu töten brauchte. Und als gerade ein junger Frischling dahergesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus und brachte sie als Wahrzeichen der Königin mit. Der Koch musste sie in Salz kochen, und das boshafte Weib aß sie auf und meinte, sie hätte Schneewittchens Lunge und Leber gegessen.
Nun war das arme Kind in dem großen Wald mutterseelenallein, und ward ihm so angst, dass es alle Blätter an den Bäumen ansah und nicht wusste, wie es sich helfen sollte. Da fing es an zu laufen und lief über die spitzen Steine und durch die Dornen, und die wilden Tiere sprangen an ihm vorbei, aber sie taten ihm nichts. Es lief, so lange nur die Füße noch fortkonnten, bis es bald Abend werden wollte. Da sah es ein kleines Häuschen und ging hinein, sich zu ruhen. In dem Häuschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, dass es nicht zu sagen ist. Da stand ein weißgedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerlein mit seinem Löffelein, ferner sieben Messerlein und Gäblelein und sieben Becherlein. An der Wand waren sieben Bettlein nebeneinander aufgestellt und schneeweiße Laken darüber gedeckt. Schneewittchen, weil es so hungrig und durstig war, aß von jedem Tellerlein ein wenig Gemüs' und Brot und trank aus jedem Becherlein einen Tropfen Wein; denn es wollte nicht einem alles wegnehmen. Hernach, weil es so müde war, legte es sich in ein Bettchen, aber keins passte; das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebente recht war; und darin blieb es liegen, befahl sich Gott und schlief ein.
Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren von dem Häuslein, das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an, und wie es nun hell im Häuslein ward, sahen sie, dass jemand darin gesessen war, denn es stand nicht alles so in der Ordnung, wie sie es verlassen hatten. Der erste sprach: »Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?« Der zweite: »Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?« Der dritte: »Wer hat von meinem Brötchen genommen?« Der vierte: »Wer hat von meinem Gemüschen gegessen?« Der fünfte: »Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?« Der sechste: »Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?« Der siebente: »Wer hat aus meinem Becherlein getrunken?« Dann sah sich der erste um und sah, dass auf seinem Bett eine kleine Delle war, da sprach er: »Wer hat in mein Bettchen getreten?« Die anderen kamen gelaufen und riefen: »In meinem hat auch jemand gelegen!« Der siebente aber, als er in sein Bett sah, erblickte Schneewittchen, das lag darin und schlief. Nun rief er die andern, die kamen herbeigelaufen und schrien vor Verwunderung, holten ihre sieben Lichtlein und beleuchteten Schneewittchen. »Ei, du mein Gott! Ei, du mein Gott!« riefen sie, »was ist das Kind so schön!« Und hatten so große Freude, dass sie es nicht aufweckten, sondern im Bettlein fortschlafen ließen. Der siebente Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen, bei jedem eine Stunde, da war die Nacht herum. Als es Morgen war, erwachte Schneewittchen, und wie es die sieben Zwerge sah, erschrak es. Sie waren aber freundlich und fragten: »Wie heißt du?« »Ich heiße Schneewittchen«, antwortete es. »Wie bist du in unser Haus gekommen?« sprachen weiter die Zwerge. Da erzählte es ihnen, dass seine Stiefmutter es hätte wollen umbringen lassen, der Jäger hätte ihm aber das Leben geschenkt, und da wär' es gelaufen den ganzen Tag, bis es endlich ihr Häuslein gefunden hätte. Die Zwerge sprachen: »Willst du unsern Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.« »Ja«, sagte Schneewittchen, »von Herzen gern!« und blieb bei ihnen. Es hielt ihnen das Haus in Ordnung. Morgens gingen sie in die Berge und suchten Erz und Gold, abends kamen sie wieder, und da musste ihr Essen bereit sein. Den ganzen Tag über war das Mädchen allein; da warnten es die guten Zwerglein und sprachen: »Hüte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen, dass du hier bist; lass ja niemand herein!« Die Königin aber, nachdem sie Schneewittchens Lunge und Leber glaubte gegessen zu haben, dachte nicht anders, als sie wäre wieder die Erste und Allerschönste, trat vor ihren Spiegel und sprach:
»Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?«
Da antwortete der Spiegel:
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
aber Schneewittchen über den Bergen
bei den sieben Zwergen
ist noch tausendmal schöner als Ihr.«
Da erschrak sie, denn sie wusste, dass der Spiegel keine Unwahrheit sprach, und merkte, dass der Jäger sie betrogen hatte und Schneewittchen noch am Leben war. Und da sann und sann sie aufs neue, wie sie es umbringen wollte; denn so lange sie nicht die Schönste war im ganzen Land, ließ ihr der Neid keine Ruhe. Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, färbte sie sich das Gesicht und kleidete sich wie eine alte Krämerin und war ganz unkenntlich. In dieser Gestalt ging sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Türe und rief: »Schöne Ware feil, feil!« Schneewittchen guckte zum Fenster hinaus und rief: »Guten Tag, liebe Frau! Was habt Ihr zu verkaufen?« »Gute Ware«, antwortete sie, »Schnürriemen von allen Farben«, und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war. Die ehrliche Frau kann ich hereinlassen, dachte Schneewittchen, riegelte die Türe auf und kaufte sich den hübschen Schnürriemen. »Kind«, sprach die Alte, »wie du aussiehst! Komm, ich will dich einmal ordentlich schnüren.« Schneewittchen hatte kein Arg, stellte sich vor sie und ließ sich mit dem neuen Schnürriemen schnüren. Aber die Alte schnürte geschwind und schnürte so fest, dass dem Schneewittchen der Atem verging und es für tot hinfiel. »Nun bist du die Schönste gewesen«, sprach sie und eilte hinaus. Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Haus; aber wie erschraken sie, als sie ihr liebes Schneewittchen auf der Erde liegen sahen, und es regte und bewegte sich nicht, als wäre es tot. Sie hoben es in die Höhe, und weil sie sahen, dass es zu fest geschnürt war, schnitten sie den Schnürriemen entzwei; da fing es an ein wenig zu atmen und ward nach und nach wieder lebendig. Als die Zwerge hörten, was geschehen war, sprachen sie: »Die alte Krämerfrau war niemand als die gottlose Königin. Hüte dich und lass keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind!« ...“
Die junge Frau hält einen Moment inne und nimmt die tiefen Atemzüge ihrer Tochter wahr, die mittlerweile eingeschlafen ist, klappt lächelnd das Buch zu und legt es auf den Nachttisch. Wie jeden Abend sitzt sie noch einige Minuten still am Bett ihrer Kleinen und genießt es, ihr einfach beim Schlafen zuzusehen. Liebevoll streicht sie dem Mädchen eine Strähne seines langen dunkelbraunen Haares aus dem Gesicht, das im Licht der kleinen Lampe sanft glänzt. Vorsichtig zieht sie die Decke ein wenig höher und haucht schließlich noch einen zarten Kuss auf die Stirn der Fünfjährigen. „Schlaf gut, Katie“, flüstert sie ihr zu, bevor sie sich schließlich erhebt, die Lampe löscht und dann das Kinderzimmer verlässt.
 
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AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

wow awesome.. ich liebe Schneewittchen xD
und yeay.. TATE 4 PREZ!!! *dance* schade, dass die Geschichte nicht so sehr auf das Pairing konzentriert ist, aber macht ja nix ^^ ich freu mich schon sehr auf weitere Kapitel, auch wenn ich noch nicht so wirklich weiß worum es gehen wird ^^

btw hab ich mir schon ganz am Anfang gedacht, dass die kleine Tochter Kate ist, weil ich beim Datum das 1980 gesehen hab ^^

freu mich afu die Fortsetzung, die Geschichte ist echt toll!

lg syd
 
AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

Und da kommt schon die FS.

Danke dir für dein liebes FB.

Viel Spaß beim Lesen.

LG Claudia


Kapitel 1: „Lonesome Holidays“
Washington D.C., 05. Januar 2005

In dieser kalten Winternacht hat sich eine angenehme Ruhe über einer Wohngegend im Süden Washington D.C.'s ausgebreitet. Die Feiertage sind gerade vergangen und das neue Jahr bereits eingeläutet, doch die weihnachtliche Besinnlichkeit liegt noch immer in der Luft. Ein dünner Schleier hat sich über den tiefschwarzen Himmel gezogen und verhüllt den Mond, so dass sein Schein nicht hindurch gelangt. Doch der eisige Wind treibt die blaugrau erscheinenden Wolken stetig vor sich her und wird bald den Blick darauf wieder ermöglichen. Unzählige funkelnde Sterne lassen sich hinter den dunklen Fetzen erahnen und werden das Bild vervollkommnen, sobald die Nacht erneut aufklart. Die Straßen des ruhigen Wohnviertels, südlich des Capitol Hills gelegen, sind schon lange verlassen, nicht einmal ein parkendes Auto ist zu sehen. Lediglich die knorrigen Äste der alten Bäume, die seit vielen Jahren in jedem der großzügigen Gärten ihre Heimat gefunden haben, bewegen sich ächzend hin und her, was ein beinahe unheimliches Geräusch in der ansonsten friedlichen Stille verursacht. Die Lichter hinter den Fenstern der Häuser sind schon seit Stunden erloschen, nur die festliche Außenbeleuchtung erhellt die Vorgärten. Lediglich in einem der Gebäude ist der Raum im unteren Geschoss noch durch eine einzelne nackte Glühbirne erleuchtet, dessen Bewohner die Nachtruhe lieber in seinem Keller als in seinem Bett verbringt. Die Nacht wird schon bald dem Ende entgegen gehen, so dass er die verbleibende Zeit dazu nutzt, seiner Passion nachzugehen und die Ruhe zu genießen. Mit einer Tasse dampfenden starken Kaffee in der Hand geht er zielstrebig wieder die Holzstufen nach unten, die bei jedem Schritt ein leises Knarren von sich geben. Für einige Minuten lehnt er sich an die Werkbank und lässt seinen Blick über das Gerippe schweifen, während er die dunkle Flüssigkeit in großen Schlucken seine Kehle hinabrinnen lässt. Absolute Stille herrscht im Inneren des Raumes, nicht einmal der Fernseher am Treppenabsatz, der einzige im gesamten Haus, gibt einen Ton von sich. Mit einem leisen Seufzen stellt er seinen Becher ab, den er mit einem anderen Tropfen erneut befüllt und dann stehen lässt, um sich endlich voll und ganz seinem Boot zu widmen.

Die Weihnachtsfeiertage hat der Agent wie in jedem Jahr, seit er seine Familie verloren hatte, allein verbracht und ist nun froh, dass dieser ganze Rummel endlich vorüber ist und der Alltag in wenigen Stunden zurückkehrt. Die festliche Stimmung ist für ihn eher eine Qual, denn in diesen Tagen hat er zu viel Zeit, um über seinen Verlust nachzudenken und sich an seine Vergangenheit zu erinnern. Früher hatte er Weihnachten geliebt, wenn das fröhliche Lachen seiner Frau und seiner Tochter durch das Haus gehallt hatte. Shannon hatte jeden einzelnen Raum festlich geschmückt, und ihre leckeren Plätzchen verbreiteten einen unwiderstehlichen Duft, so dass sie ihren Mann nur schwer vom Naschen abhalten konnte. Doch seit seine Familie ihn verlassen hatte, waren ihm der Advent und die Feiertag verhasst, und er versuchte jedes Mal aufs Neue, der Einsamkeit und den damit verbundenen quälenden Erinnerungen zu entrinnen. In den Jahren zuvor konnte er sich noch in seiner Arbeit vergraben, doch diesmal gab es keinen Vorwand für ihn, sein Team ins Hauptquartier zu bestellen, denn zum ersten Mal seit langem, waren sie weder zum Bereitschaftsdienst eingeteilt noch beschäftigte sie ein Fall. Was würde er in diesem Moment dafür tun, wenn sein Handy seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, doch diesen Gefallen tut es ihm nicht. Alles andere würde er lieber tun, als zu diesem Zeitpunkt zu Hause zu sein und der Vergangenheit nicht länger entfliehen zu können. Das Bauen an seinem Boot hilft ihm in jeder Situation, sich zu entspannen und die Welt um sich herum zu vergessen, so dass er dies während seiner freien Tage ausgiebig genutzt hat. Doch während sich die weihnachtliche Stimmung in Washington verbreitete, war ihm genau dies immer schwerer gelungen, denn seine Gedanken waren immer öfter weit von seiner Tätigkeit abgeschweift. An Tagen wie diesen brechen die Wunden, die längst verheilt sein sollten, immer wieder aufs Neue auf und schmerzen beinahe so stark wie in der ersten Zeit. Je näher das neue Jahr und damit der Alltag jedoch rückt, umso einfacher lässt sich die Vergangenheit verdrängen und in einer Schublade weit hinten in seinem Kopf verbergen.

Mit einem Griff hat er sich das gewünschte Werkzeug aus dem aufgeräumten Regal genommen, das nun schwer in seiner Hand liegt und ihm dennoch ein angenehmes, vertrautes Gefühl vermittelt. In langen kraftvollen Bewegungen lässt Gibbs seinen Hobel über das Holz gleiten und nimmt die beruhigende Wirkung dieser Tätigkeit tief in sich auf. Nur langsam nimmt das hölzerne Gebilde eine Form an, die bereits ein wenig seiner endgültigen Gestalt ähnelt, dennoch führt er jeden einzelnen Griff ohne elektrische Hilfe aus, denn die Arbeit mit seinen Händen gibt ihm das Gefühl von absoluter Entspannung. Während unzählige feine Späne langsam auf den Betonboden des Kellers segeln, lösen sich die quälenden Gedanken in seinem Kopf immer mehr in Luft auf, und er beginnt abzuschalten. Nach einer Ewigkeit des ruhigen Schleifens legt der Agent für einen Moment sein Werkzeug zur Seite, fährt mit seiner Hand beinahe zärtlich über das glatte Holz der Rippen und ist schließlich zufrieden mit seiner Arbeit. Danach greift er nach seiner Tasse Bourbon, die immer auf der Werkbank bereit steht, um einen Schluck daraus zu nehmen und beschließt, sich einen neuen Kaffee zu kochen, denn schlafen wird er heute Nacht ohnehin nicht mehr können. Gerade als die braune Flüssigkeit seine Kehle hinabrinnt und ein angenehmes Brennen hinterlässt, durchbricht das Klingeln seines Handys die Stille. Seufzend stößt er sich von der Holzplatte der Werkbank ab, an die er sich gelehnt hat und angelt das kleine Gerät aus einem der Gläser, in dem er normalerweise Schrauben und Nägel aufbewahrt. Nach einem Blick auf das Display, das einen unbekannten Anrufer anzeigt, nimmt er nach einem kurzen Zögern genervt das Telefonat an: „Ja, Gibbs.“ Am anderen Ende der Leitung erklingt eine undeutliche krächzende Stimme: „Hallo, Agent Gibbs.“ Der Angesprochene ist bei diesen Worten und deren merkwürdiger Tonlage sofort alarmiert, so dass er nachhakt: „Mit wem spreche ich? Woher haben Sie diese Nummer?“ Der Mann geht jedoch nicht auf diese Fragen ein, sondern erwidert lediglich: „Das ist unwichtig, Agent Gibbs. Schenken Sie lieber Ihre Aufmerksamkeit der Leiche im Anacostia Park. Verlassen Sie den Anacostia Freeway an der östlichen Zufahrt und folgen Sie dem Fairy Trail. Auf der Lichtung am See werden Sie sie sehen.“ Mit dieser Aussage wird die Verbindung unterbrochen, und ohne zu zögern, wählt Gibbs die Nummern seiner Agenten, um diese zum Tatort zu bestellen. Bei diesem seltsamen Anruf hat sich umgehend ein unangenehmes Gefühl in seinem Inneren ausgebreitet, das ihn nicht wieder loslässt. Er ist sich sicher, dass es sein Instinkt ist, der sich da meldet und ihm sagt, dass das, was sie dort erwarten würde, alles andere als ein normaler Fall ist.
 
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wow.. toll! ich liebe Boat!Gibbs so, das is immer so schön depressiv. Der Arme, aber wirklich.. ich bemitleide ihn immer so, wenn er an seinem Boot arbeitet :/ poor guy!
ich bin jetzt mal auf den Fall gespannt und wie das restliche Team darauf reagiert zu dieser Zeit auf ne Crime Scene gerufen zu werden ^^ der Anrufer hatte ja schon was creepiges an sich, ich hoffe das is nicht so ein Team-Mitglied-Stalker-kind of Mörder..

warte gespannt auf den nächsten Teil!

lg syd
 
AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

Hey syd!

Vielen Dank an meine fleißige FB-Geberin.

Hiermit kommt nun Tonys Kapitel.
Ich wünsche euch allen viel Spaß beim Lesen!

LG Claudia


Kapitel 2: „Christmas Time has passed“
Washington D.C., 05. Januar 2005

„DiNozzo“, brummt der Agent verschlafen in sein Handy, nachdem es nahezu fünf Minuten ununterbrochen geklingelt und ihn endlich aus seinem Tiefschlaf geweckt hat. Doch bei den folgenden Worten, die er am anderen Ende der Leitung vernimmt, ist er schlagartig wach: „Verdammt DiNozzo, wenn du deinen Hintern nicht innerhalb der nächsten dreißig Minuten in den Anacostia Park bewegst, kannst du dir einen neuen Job suchen.“ Wie immer ist nach diesem Befehl die Verbindung ohne ein Wort des Abschieds unterbrochen, so dass er das Telefon müde wieder sinken lässt. Murrend schält sich der junge Mann aus seiner Decke, lässt sich schließlich langsam aus dem wohlig warmen Bett gleiten und geht dann zielstrebig in das Badezimmer, um sich mit einer Dusche aufzuwärmen. Ein leises Seufzen verlässt seine Lippen, als das angenehme Wasser auf seinen Körper prasselt, nach unten rinnt und dann im Abfluss verschwindet. So hat er sich das Ende seines Weihnachtsurlaubs ganz bestimmt nicht vorgestellt, denn er wird bereits jetzt das Gefühl nicht los, dass dieser Fall sie wohl länger beschäftigen wird. Schon an seinem ersten Tag, den er gemeinsam mit Gibbs gearbeitet hatte, lehrte ihn dieser, auf seinen Instinkt zu hören, der ihm jedoch an diesem frühen Morgen eine unangenehme Gänsehaut bereitet, die auch das warme Wasser nicht zu vertreiben vermag. Die Worte, die sein Boss bei seinem Anruf gewählt hatte, waren beinahe dieselben wie immer gewesen, dennoch glaubt der Agent einen merkwürdigen Unterton herausgehört zu haben. Er fragt sich, was ihn wohl an diesem Tatort erwarten wird, doch da er sich genau dies nicht beantworten kann, versucht er, diese Gedanken wieder aus seinem Kopf zu verbannen. Statt dessen kehren die Erinnerungen an das vergangene Weihnachtsfest zurück, an dem er seit langem einmal nicht arbeiten musste. Sogar über Silvester konnte er seine freie Zeit genießen und musste sich keine Sorgen über Entführungen, Mordfälle und anderen Straftaten machen.

Vor zwei Tagen erst war Tony aus Rhode Island zurückgekehrt, denn die arbeitsfreien Feiertage hatte er das erste Mal seit vielen Jahren wieder bei seinen Eltern verbracht. Aus diesem Grund findet sich in seinem Appartement keine einzige Lichterkette und keine Dekoration, doch eigentlich ist er auch kein Weihnachtsmensch. Früher war das anders gewesen, denn als Kind hatte er, wie die meisten anderen, dieses Fest geliebt und konnte es kaum erwarten, endlich den Baum schmücken zu dürfen. In jedem Jahr war er gemeinsam mit seinem Vater in den familieneigenen Wald gefahren, um die perfekte Tanne auszusuchen und zu fällen. Als sie dann wieder zu Hause ankamen, präsentierten die beiden seiner Mutter voller Stolz den riesigen Weihnachtsbaum, der wenig später seinen Platz im großzügigen Wohnzimmer der Familie fand. Der folgende Abend war dann gemütlich vor dem Kamin ausgeklungen, nachdem die drei gemeinsam das leckere Essen genossen hatten, das Mrs. DiNozzo gekocht hatte. Natürlich konnte der kleine Anthony den Weihnachtstag kaum abwarten und war bereits am frühen Morgen auf den Beinen um die zahlreichen Geschenke auszupacken. Doch schließlich wurde Tony älter, der Streit mit seinen Eltern und damit die schlechten Erinnerungen an diese Tage nahmen zu, so dass er in den letzten Jahren froh war, in dieser Zeit nicht zu Hause sitzen zu müssen. Obwohl das Verhältnis zu seinem Vater noch immer nicht das beste ist, haben sie sich doch in letzter Zeit wieder ein wenig angenähert, und vor allem seine Mutter hatte sich gefreut, ihn endlich mal wieder bei sich zu haben. Mittlerweile hatte auch Mr. DiNozzo akzeptiert, dass sein Sohn seinem Traum einer Polizeiausbildung gefolgt war, auch wenn er ihn lieber als Nachfolger in seiner Firma gesehen hätte. Doch wenn er ehrlich zu sich selbst ist, muss er zugeben, dass er eigentlich ziemlich stolz auf Tony ist, der es geschafft hat, seinen eigenen Weg zu gehen und zu einem guten Bundesagenten zu werden. Die wenigen Tage gemeinsam mit seiner Familie haben Tony erstaunlich gut getan, besser als er erwartet hatte, und auch das Weihnachtsfest war schöner als seine vergangenen. Endlich hatten die drei seit langem wieder einmal ausgiebig Zeit miteinander verbracht, viel geredet und auch zusammen gelacht. Erst jetzt hat er festgestellt, wie sehr er seine Eltern vermisst hatte und wie sinnlos der jahrelange Streit zwischen ihnen war.

Während seine Gedanken zu den letzten beiden Wochen gewandert sind, hat der Agent sich ein Handtuch um die Hüften geschlungen, die Zähne geputzt und dann rasiert. Nun steht er im Schlafzimmer vor seinem überdimensionalen Kleiderschrank und entscheidet sich schließlich für eine dunkelblaue Jeans und einen schwarzen Rollkragenpullover, um sich vor den eisigen Temperaturen zu schützen, die ihn am Tatort erwarten werden. Nach einem kurzen Blick in seinen gähnend leeren Kühlschrank beschließt er, das Frühstück am heutigen Tag ausfallen zu lassen. Statt dessen zieht er sich seine Jacke über und packt seine Marke, Waffe und den Rucksack zusammen, um sich auf den Weg zum Anacostia Park zu machen, denn er will seinen Boss nicht schon in den ersten Tagen des neuen Jahres gegen sich aufbringen. Pünktlich zwanzig Minuten nachdem er Gibbs' Anruf erhalten hat, schließt er bereits die Wohnungstür hinter sich und sitzt wenig später in seinem Wagen. Um die Laune seines Vorgesetzten ein wenig anzuheben, hält er sein Auto kurz darauf vor einem Coffeeshop, und besorgt ihm einen Becher der braunen Flüssigkeit. Doch so ganz uneigennützig ist dieses Vorhaben nicht, denn auch er selbst kann einen starken Kaffee gebrauchen, hatte ihn der unerwartete Anruf doch bereits um vier Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen. Dies ist auch eine Angewohnheit, die er seiner Zusammenarbeit mit dem früheren Marine verdankt, hatte er doch während seiner Zeit in Baltimore nur in seltenen Fällen zu dieser Droge gegriffen. Als er sich wieder auf dem Fahrersitz seines geliebten Mustangs niederlässt, rinnt der erste Schluck des heißen Gebräus seine Kehle hinab, und Sekunden darauf glaubt er bereits, dessen aufmunternde Wirkung zu spüren. Der Motor heult verhalten auf, als Tony den Wagen startet und wenig später durch die dunklen, noch fast leeren Straßen lenkt, um endlich zu seinem Ziel zu gelangen. Ein Blick auf die Uhr zeigt ihm, dass er vor fünf Minuten am Tatort hätte sein sollen, so dass er das Gaspedal noch ein wenig weiter nach unten tritt, um die letzte Kurve biegt und das Auto schließlich mit quietschenden Reifen neben dem Truck des NCIS, den sein Vorgesetzter gerade verlässt, zum Stehen bringt. Schnell setzt er sich das Cap, das zu seiner Berufskleidung gehört, auf, schnappt sich mit einem Griff die beiden Kaffeebecher und setzt sein übliches Grinsen auf, ehe er hastig aussteigt. Ein eisiger Blick aus stahlblauen Augen trifft den jungen Mann, als er sich seinem Boss nähert, doch wie immer ignoriert er dessen mürrische Miene. Statt dessen hält er ihm einen Becher dampfenden Kaffee unter die Nase, so dass dieser sich mit einer leichten Kopfnuss auf dem Hinterkopf seines ranghöchsten Agenten zufriedengibt.
 
AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

so jetzt komm ich endlich dazu hier auch mal wieder etwas FB zu hinterlassen ^^
also ich muss sagen, dieses letzte Kapitel fand ich super. Ich liebe Tony *surprise* und ich finds einfach immer genial, wenn man so "Einblicke" in den nicht-Arbeits-Tony bekommt, wo er nicht für alle immer den Clown spielt und einen Scherz nach dem anderen bringt.. das macht ihn menschlicher.
Da man ja mittlerweile noch immer nicht wirklich weiß worums in der Geschichte geht, kann ich nicht sehr viel mehr dazu sagen ^^ ich freu mich auf Kate und bin schon gespannt auf den Fall :)

hoffentlich kommt bald mehr.
lg syd
 
AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

Hey syd!

Dankeschön für dein FB.
Also, hier kommt dann auch schon Kate, mal ein wenig anders.
Das nächste Kapitel werd ich euch noch auf die Folter spannen, aber dann...

Also, dann viel Spaß beim Lesen.

LG Claudia


Kapitel 3: „I had a Dream last Night“
Washington D.C., 05. Januar 2005

Der goldene Herbst hat sich über dem idyllischen Vorort ausgebreitet, und die Sonne scheint ein letztes Mal all ihre Kraft mobilisieren zu wollen, ehe der lange Winter ihre Wärme verdrängen würde. Es kommt nicht oft vor, dass Ende Oktober noch solch ein schönes Wetter herrscht, doch in diesem Jahr, scheint die Kälte noch ein wenig auf sich warten zu lassen. Die Blätter der zahlreichen Bäume, die die ruhige Straße in diesem Wohnviertel säumen, haben jedoch bereits seit einigen Wochen eine leuchtende Färbung angenommen. Die verschiedenen Gelb-, Orange- und Rottöne lassen die Umgebung beinahe noch malerischer erscheinen als an einem schönen Frühlingstag, an dem die ersten Blumen beginnen zu blühen. Die Wirkung unterstreicht der makellos blaue Himmel noch zusätzlich, den nur hin und wieder einige schneeweiße Schäfchenwolken zieren. In einem großzügigen Haus in jener ruhigen Vorstadt herrscht in diesem Moment reges Treiben, obwohl sich nur zwei der Bewohner darin aufhalten, doch der jüngste von ihnen hat ausreichend Energie für die ganze Familie. „Mummy, Mummy, wo sind meine Schuhe?“, ruft das kleine Mädchen aufgeregt und tritt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen, bis die Angesprochene im Türrahmen erscheint und lächelnd erwidert: „Hier sind sie, mein Schatz.“ Die erste Halloween-Party im Haus ihrer besten Freundin und ohne ihre Eltern steht bevor, so dass die Siebenjährige ihre Vorfreude kaum zügeln kann. Eilig nimmt die Kleine die beiden Stücke entgegen, ist einen Moment später schon hineingeschlüpft und betrachtet sich anschließend ausgiebig im Spiegel. Ihre langen dunkelbraunen Haare fallen in sanften Wellen auf die zierlichen Schultern herab und glänzen leicht in der goldenen Nachmittagssonne, die durch das Fenster hereinscheint. Das lange weiße Kleid, das sie trägt unterstreicht den warmen Ton ihrer Augen und lässt ihre rot geschminkten Lippen leuchten. Mit einem übermütigen Schwung dreht sie sich einmal um ihre eigene Achse, bleibt dann wieder stehen und fragt neugierig: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Doch statt des glänzenden Rahmens antwortet ihre Mutter, die ihre aufgeregte Tochter lächelnd beobachtet hat: „Prinzessin, Ihr seid die Schönste im Land.“ Das Mädchen strahlt bei diesen Worten über das ganze Gesicht, und die junge Frau erklärt: „Lass uns fahren, Katie. Du willst doch nicht zu spät zu deiner Kostümparty kommen."


Ein durchdringender Ton lässt die Agentin aus ihrem Traum aufschrecken, so dass sie für einige Momente Mühe hat, sich zu orientieren. Schließlich realisiert sie, dass es ihr Handy ist, das mitten in der Nacht sein nervtötendes Klingeln von sich gibt und einfach nicht verstummen will. Seufzend tastet sie in der Dunkelheit nach dem Telefon, das auf ihrem Nachttisch liegt und wirft einen prüfenden Blick auf das Display, doch da ihre Augen noch nicht wach sind, nimmt sie den Anruf verschlafen entgegen: „Todd.“ Auf der anderen Seite der Leitung erklärt ihr Vorgesetzter ungeduldig: „Verdammt, Kate, da geht ja sogar DiNozzo schneller an sein Handy.“ Diese Aussage quittiert die junge Frau jedoch lediglich mit einem wortlosen Augenverdrehen, als der Teamleiter bereits fort fährt: „Ich brauche dich dringend. Wir haben eine Leiche im Anacostia Park.“ Während sie seinen Worten lauscht und versucht, die Bedeutung seiner Aussage zu realisieren, reibt sie sich über die Augen und fährt sich dann durch die Haare, bevor sie müde antwortet: „Alles klar, Gibbs. Ich bin in dreißig Minuten da.“ Nach dieser Aussage ist das Gespräch ohne Verabschiedung unterbrochen, doch dieses Verhalten ist sie von ihrem Boss bereits gewöhnt, so dass sie ihren Kopf zurück in das weiche Kissen sinken lässt und erneut die Augen schließt. Die letzte Nacht war nicht sehr erholsam gewesen, was vermutlich an diesem seltsamen Traum liegt, doch sie hat keine Ahnung, wieso ihr ausgerechnet jetzt die Vergangenheit wieder in Erinnerung kommt. Erneut denkt sie an die vergangenen Feiertage zurück, die sie zu Hause in Indianapolis mit ihrer Familie verbracht hatte. Nachdem ihr Vater gestorben war, kamen sie und ihre Halbgeschwister in jedem Jahr an den Geburtstagen, Thanks Giving und Weihnachten zusammen. Mit ihrer älteren Schwester hatte Kate schon immer ein sehr enges Verhältnis gehabt, und auch mit ihren beiden großen Brüdern versteht sie sich jetzt besser als früher. Für die drei war es nicht leicht gewesen, dass ihr Vater, drei Jahre nachdem sie ihre Mutter verloren hatten, erneut heiratete und kurz darauf ein gemeinsames Kind mit ihr bekam. Doch stets war er bemüht, ihnen allen zu zeigen, wie sehr er sie liebte und ihnen das Gefühl zu geben, ein wichtiger Teil dieser Familie zu sein. Obwohl sich die Agentin gern an ihre Kindheit zurückerinnert, schmerzen sie noch immer die Gedanken an ihren Vater, den sie bereits im Alter von zehn Jahren verloren hatte.

Seufzend öffnet Kate wieder die Augen und verbannt diese traurigen Überlegungen aus ihrem Kopf, um sich auf den neuen Fall konzentrieren zu können, der sie erwartet. Wie viel lieber würde sie sich jetzt wieder die Decke über den Kopf ziehen und weiterschlafen, doch so steht sie zähneknirschend auf, eilt in die Küche und füllt ihre Kaffeemaschine. Trotz ihrer Eile verschwindet sie im Bad, nimmt sich die Zeit für eine Dusche und lässt für einige Sekunden eiskaltes Wasser auf ihren zierlichen Körper prasseln, um endgültig wach zu werden. Nur Minuten später hat sie sich ein großes Handtuch umgeschlungen und steht vor dem Spiegel, um ihre Zähne zu putzen und sich anschließend zu schminken. Danach greift sie nach dem Föhn und trocknet ihre Haare, die wenig später in sanften Wellen über ihre Schultern fallen. Der darauf folgende Gang zum Kleiderschrank ist das größere Problem, denn heute benötigt sie tatorttaugliche Klamotten, die dennoch gut aussehen sollen. Da es zur Zeit ziemlich eisig draußen ist, entscheidet sich die junge Frau für eine dunkelblaue Jeans und einen dicken weißen Wollpullover, der sie vor der Kälte schützen soll. Nocheinmal betrachtet sie sich zufrieden im Spiegel, ehe sie das Schlafzimmer verlässt und in der Küche ihren Kaffee in einen Becher zum Mitnehmen gießt. Bevor sie ihr Haus verlässt befestigt sie noch ihre Waffe und Dienstmarke am Gürtel und verstaut das Handy in ihrer Handtasche. Schnellen Schrittes eilt die Agentin den schmalen Kiesweg entlang zu ihrem Auto und wirft einen Blick auf die Uhr, um festzustellen, dass sie noch zehn Minuten hat. Am frühen Morgen sollte es jedoch kein Problem sein, den kurzen Weg bis zu ihrem Ziel in dieser Zeit zurückzulegen, um Gibbs nicht zu verärgern. Wie sie erwartet hat, sind die Straßen noch nahezu menschenleer, lediglich vereinzelte Räumfahrzeuge sorgen dafür, dass der Weg zur Arbeit nicht in einer gefährlichen Rutschpartie endet. Das Haus der Agentin liegt nicht weit vom Anacostia Park entfernt, dessen kilometerlange Wege sie gern und ausgiebig zum Joggen nutzt. Pünktlich hält sie ihren Wagen wenig später am Tatort und schnappt sich ihre Jacke und Kappe, die ihre Tätigkeit als Bundesagentin anzeigen, ehe sie die Fahrertür öffnet. Mit dem mittlerweile nur noch halb gefüllten Becher Kaffee in der Hand steigt Kate aus und geht zielstrebig auf den Truck des NCIS zu, der nur wenige Meter entfernt parkt.
 
AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

awesome! super geschrieben ich liebe Kate und ich liebe es dass das ganze Kapitel ihr gehört hat :D
wird die Geschichte jetzt wie bei a night to remember immer abwechselnd von jedem Chara erzählt? ich mag das nämlich ^^
gut.. also man weiß immer noch nix über den Fall xD aber ich liebe die Rückblende! Ich hoffe die Leiche is jez als Schneewittchen oder so verkleidet und Kate ist dann like :O und dann kommt man drauf dass der Mörder ein Ex von Kate is... ihr erster Freund aus dem Kindergarten und er dürfte auf der Halloween-Party damals nicht ihr Prince Charming sein :D :rofl:

ok ich bin gespannt auf weitere Teile!

lg syd
 
AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

Auch hier heißt es: Neuer Mittwoch, neues Glück... äh... Kapitel. :D

@syd: Vielen lieben Dank für dein FB.
Ich sag nur: Wer weiß?

Viel Spaß mit dem neuen Teil!
Nächste Woche erfahrt ihr mehr.

LG Claudia


Kapitel 4: „Every Day Life returns“
Washington D.C., 05. Januar 2005

In der Zwischenzeit hat auch McGee sein Auto durch die fast leeren Straßen der Stadt gelenkt und hält dieses nun auf seinem Parkplatz in der Tiefgarage des NCIS-Hauptquartiers. Ein leises 'Pling' durchbricht die Stille, in die das Gebäude um diese Zeit noch gehüllt ist, als sich die schweren Metalltüren des Aufzugs wenig später öffnen. Auch über dem Großraumbüro liegt noch immer völlige Dunkelheit, so dass der junge Mann seine Schreibtischlampe anschaltet, bevor er seinen Rucksack und seine Jacke an ihren Platz befördert. Nachdem er seinen Computer hochgefahren hat, überlegt er einen Moment, ehe er beschließt, sich zuerst zu Abby in die Forensik zu begeben, um ihr Vorgehen zu besprechen. Nur Minuten später tritt er aus dem hinteren Fahrstuhl, der ihn nach unten in das Labor seiner Kollegin gebracht hat, als sich die automatischen Schiebetüren zu ihrem Reich auch schon mit einem verhaltenen Zischen öffnen. Über dem großen Raum, den man als das Heiligtum der jungen Frau bezeichnen kann, hat sich völlige Finsternis ausgebreitet, lediglich das diffuse Licht des Massenspektrometers weist dem Agenten den Weg. „Schön dich zu sehen, Timmy. Wie geht es dir? Wie war dein Weihnachtsfest?“, ertönt urplötzlich die Stimme der quirligen Forensikerin neben ihm, die ihn sofort mit Fragen bombardiert, während sie ihm um den Hals fällt. Ein leichtes Lächeln legt sich auf seine Lippen, als er sich wieder aus ihrer Umklammerung löst und mit einer Gegenfrage antwortet: „Hat Gibbs dich schon über unsere Aufgabe unterrichtet?“ Abby nickt wortlos, als sie endlich Licht macht und ihre Musikanlage einschaltet, um die für sie unerträgliche Stille aus dem Labor zu vertreiben. Doch nicht wie eigentlich erwartet, erfüllt kurz darauf der Sound ihrer geliebten Collide oder Androids Lust Songs den Raum sondern eine ungewohnte Melodie. Erstaunt zieht McGee seine Augenbrauen nach oben und verfolgt interessiert das Werk, das ihn verblüffend an Kirchenmusik erinnert. Nun lässt er seinen Blick zu der Laborantin schweifen und registriert ein wenig irritiert das untypische Outfit der jungen Frau. Normalerweise dominiert die Farbe schwarz ihre Kleidung, die meist mit Totenköpfen geziert ist und durch Nietenarmbänder und Plateauschuhe vervollständigt wird. Am heutigen Tag jedoch trägt die flippige Goth, natürlich wie immer in schwarz, ein langes Kleid mit weit schwingendem Rock und langen Ärmeln, die locker über ihre Handgelenke fallen.

Wie erwartet, bemerkt Abby den verwunderten Blick ihres Kollegen, den dieser auch nach Minuten noch immer nicht von ihr wendet. „Timmy... Tim?“, versucht sie, ihn aus seiner Starre zu reißen, doch als er keine Reaktion darauf zeigt, ruft sie etwas lauter: „Erde an McGee.“ Der junge Mann blickt ihr verwundert in die Augen, ehe er registriert, dass er sie, vollkommen in Gedanken versunken, angestarrt hatte. Kaum wird ihm dies bewusst, nimmt sein Gesicht eine leichte Röte an, und er stottert verlegen: „Ich, ähm, ich hab nur... ich hab mich nur gewundert, was du heute für ungewöhnliche Musik hörst.“ Die Forensikerin lacht über sein unsicheres Verhalten und erklärt: „Ich hab dir doch erzählt, dass ich mit den Nonnen Weihnachten gefeiert habe. Jedenfalls haben die Schwestern sehr oft Mozart gehört.“ „Mozart?“ Für diese Zwischenfrage erhält der Agent einen missbilligenden Blick, bevor sie fortfährt: „Wolfgang Amadeus Mozart, ein österreichischer Komponist aus dem 18. Jahrhundert. Das, was du hier hörst ist die Große Messe in c-Moll.“ Er erkennt, dass sie gerade dabei ist, sich richtig in Fahrt zu reden, doch er hört ihr gern bei ihren Erzählungen zu und ist auch ein wenig neugierig, wie seine Kollegin ihr Weihnachtsfest verbracht hatte. „Du musst dir dieses Kloster außerhalb von D.C. vorstellen. Ein richtig altes Gemäuer, in dem noch wirkliche Geschichte steckt. Die katholische Kirche hatte es Ende des 18. Jahrhunderts errichten lassen. Die Räume sind wunderschön dekoriert, ein riesiger geschmückter Weihnachtsbaum steht im Gemeinschaftsraum und im Kamin knistert ein Feuer. Sogar ich fand diese Atmosphäre romantisch.“ Abbys Wangen glühen regelrecht vor Begeisterung, während ihre Lippen ein verträumtes Lächeln ziert, als sie für einen Moment innehält. Sie stellt zufrieden fest, dass Tim ihr aufmerksam zuhört, so dass sie fortfährt: „Durch den Raum mit seinen gotischen Säulen und der hohen Decke tönt nun diese Musik. Du kannst dir überhaupt nicht vorstellen, wie die Akustik dort ist. Diese Komposition klingt in dieser Umgebung und noch dazu dieser Atmosphäre gleich nocheinmal so schön.“ Mit diesen Worten dreht sich die junge Frau einmal schnell um ihre eigene Achse, so dass ihr langer Rock um ihren Körper schwingt und die Rattenschwänze fröhlich wedeln.

Tim hält sie in ihrer Drehung fest und packt sie an den Oberarmen, so dass sie ihr Zappeln einstellen und stattdessen still stehen muss. Dann erklärt er mit eindringlicher Stimme: „Es tut mir leid, Abbs, aber wir sollten mit unserer Arbeit anfangen. Gibbs wird in spätestens zwei Stunden hier eintreffen und Ergebnisse sehen wollen.“ Die Forensikerin sieht ihn mit ihrem traurigen Hundeblick an, doch er lässt sich nicht erweichen, so dass sie leise seufzt, ehe sie erwidert: „Du bist wirklich ein Spaßkiller, McGee.“ Der Angesprochene zuckt lediglich mit den Schultern, woraufhin sie erklärt: „Gut, lass uns versuchen, den Anruf auf Gibbs' Handy zurückzuverfolgen. Dafür musst du mir aber von deinen Feiertagen erzählen.“ Nach dieser Aussage blickt sie ihren Kollegen fragend an, der schließlich zustimmend nickt, da er vermeiden will, bei der Rückkehr seines Vorgesetzten ohne Antworten dazustehen. Deshalb setzt er sich auf Abbys Stuhl, um nur Sekunden später seiner Finger in einer rasanten Geschwindigkeit über die Tastatur ihres Computer wandern zu lassen und die Telefonverbindungen des Diensthandys ihres Teamleiters herunterzuladen. „Nun erzähl schon, Timmy“, quengelt währenddessen jedoch die Forensikerin, die vor Neugier beinahe umkommt. Auf den Lippen des Agenten bildet sich ein leichtes Lächeln, bevor er beginnt zu berichten: „Meine Schwester Sarah und ich haben Weihnachten bei unseren Eltern in Woodbridge verbracht.“ Als der junge Mann nach diesen Worten wieder verstummt, hakt Abby ungeduldig nach: „Ja und? Wie war euer Fest? Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen.“ Bei dieser Aufforderung kann er nur mit Mühe ein Seufzen unterdrücken, doch er kennt seine Kollegin und weiß, dass sie nicht locker lassen würde, bevor er nicht alles erzählt hat. Deshalb fährt er, während er seinen Blick keine Sekunde vom Bildschirm wendet, fort: „Wir haben wie jedes Jahr ganz einfach und gemütlich gefeiert. Im Wohnzimmer stand ein kleiner Weihnachtsbaum, den ich zusammen mit Sarah geschmückt habe. Das hatten wir schon als Kinder so gemacht. Abends sind wir erst gemeinsam in die Kirche gegangen und haben dann den Entenbraten gegessen, den unsere Mutter gezaubert hatte. Und am nächsten Morgen gab es Geschenke. Zufrieden?“ Abby kichert bei dieser Frage leise in sich hinein und antwortet: „Ach, komm schon, McGee. So schlimm war das doch nun auch wieder nicht. Dein Weihnachtsfest war doch wirklich schön.“ Nun hält der Agent für einen Moment inne und blickt die junge Frau an, ehe er sanft lächelt und schließlich zustimmend nickt.
 
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So, Ihr Lieben,

wie versprochen, geht es jetzt endlich los.
Es wird ein wenig geheimnsivoll.
Ihr könnt also auf die nächsten Teile gespannt sein.

Ich wünsch euch wie immer viel Spaß beim Lesen.

LG Claudia


Kapitel 5: „A Fairy Tale comes true...“
Washington D.C., 05. Januar 2005

Die Nacht liegt noch immer pechschwarz über Washington D.C., doch der silbern glänzende Vollmond und die funkelnden Sterne leuchten vom mittlerweile wolkenlosen Himmel und reflektieren ihr Licht auf dem reinweißen Schnee. Während der Weihnachtsfeiertage und des Jahreswechsels hatte es tagelang geschneit, wodurch die Stadt in eine märchenhafte Winterlandschaft verwandelt wurde. Millionen von Eiskristallen haben sich über jedem Grashalm und jedem Ast ausgebreitet, und glitzern nun in dem sanften Schein der Himmelskörper. Unter der Schneedecke erscheint die Umgebung gänzlich unberührt, denn keine einzige Spur zerstört die Vollkommenheit der malerischen Natur. Abgesehen von dem leisen Knirschen, verursacht durch die Schritte der Agenten, durchbricht kein Geräusch die friedliche Stille. Die Landschaft, die sich vor ihren Augen erstreckt, macht mit ihren makellosen Formen und Farben einer Postkarte alle Konkurrenz. Als Kate aus ihrem Auto steigt, verwandelt sich ihr warmer Atem sofort zu kleinen weißen Wölkchen, die in der eisigen Luft sofort nach oben steigen. Fröstelnd schlingt sie den dicken Schal noch enger um sich und schließt dann den Reißverschluss ihrer Jacke noch etwas weiter. Doch dem eisigen Wind gelingt es trotzdem, unter den warmen Stoff zu fahren und ihr eine Gänsehaut zu verursachen. Verwundert registriert die junge Frau, dass ihr Kollege bereits mit ihrem Boss am Truck steht und seine Ausrüstung aus dem Laderaum nimmt. „Guten Morgen, Gibbs. Guten Morgen, Tony“, ruft sie den beiden entgegen, woraufhin sie von ihrem Vorgesetzten lediglich ein undeutliches „Auch schon da?“, von ihrem grinsenden Partner jedoch ein freches „Guten Morgen, Katie.“ erhält. Einige Sekunden mustert er sie eingehend, so dass sie sich innerlich bereits auf einen Kommentar vorbereitet, der auch umgehend ertönt: „Was hast du denn mit deinen Haaren gemacht? Hast du sie dir mit der Kohle aus deinem Weihnachtsstrumpf gefärbt?“ Sie geht jedoch nicht auf diesen Spruch ein, verdreht nur schweigend die Augen und verschafft sich stattdessen einen kurzen Eindruck von der Umgebung.

Weit und breit ist niemand zu sehen, denn bei dieser eisigen Nacht verbringen vermutlich die meisten Menschen so viel Zeit wie möglich in ihren warmen Betten und verlassen diese erst, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Eine seltsame, beinahe bedrohliche Ruhe, die nichts Gutes verspricht, hat sich über den weitläufigen Park gelegt und verbreitet eine gespenstische Atmosphäre. Lediglich das leise Pfeifen des frostigen Windes durchbricht die totenstille Dunkelheit, begleitet von Kates angespanntem Atmen, der in ihren Ohren zu rauschen scheint. Für einige Momente lässt sie ihren Blick über die unberührte Schneedecke schweifen, bis er an einem unwirklichen Bild hängen bleibt. Die vollkommene Kugel des Vollmondes wandert in der Ferne langsam dem Horizont entgegen, um dort in wenigen Stunden Schutz vor dem einsetzenden Tag zu suchen. Das sanft schimmernde Licht wird durch die reinen Eiskristalle reflektiert und verliert sich in einem geheimnisvollem Funkeln. Die zahllosen Bäume, die die kleine Lichtung umgeben, sind weiß gepudert und vervollständigen das malerische Bild der märchenhaften Umgebung. Doch nur wenige Meter entfernt, hebt sich ein endlos erscheinender Maschendrahtzaun von der Landschaft im Hintergrund ab, an dem eine junge Frau ihre letzte Ruhe gefunden zu haben scheint. Als Caitlin einige Schritte näher geht, erkennt sie die dunklen Haare und die rot geschminkten Lippen der Unbekannten, die sich von ihrem strahlend weißen Kleid abheben. Wäre dieses Szenario nicht so grausam, könnte man es beinahe als wunderschön bezeichnen, doch das silberne Licht lässt das Blut der jungen Frau glitzern, so dass dieser Gedanke unverzüglich vergessen ist. Auch in dem reinen Schnee zu Füßen der Toten leuchten einige Tropfen ihres dunkelroten Blutes, während ihr langes weites Kleid noch immer blütenweiß im eisigen Wind weht. Bei genauerem Hinsehen stellt die Agentin fest, dass sich in den Haaren der Unbekannten unzählige Schneeflocken verfangen haben, während ihre Wimpern glitzernde Eiskristalle zieren. Ihr makelloses Gesicht wirkt wie das einer Porzellanpuppe, deren helle Haut an den Wangen rötlich schimmert. An dem Draht des Zauns hinter der jungen Frau hat sich Raureif gebildet, der das schwarze Plastik darunter verdeckt mit einer samtartigen Schicht überzieht.

Kate kann sich noch immer kaum von dem bizarren Anblick losreißen, der sie irgendwie in seinen Bann gezogen zu haben scheint, doch als Gibbs sie bereits zum zweiten Mal anspricht, erwacht sie aus ihrer Trance. Fragend sieht sie ihren Vorgesetzten an, der mit einem unhörbaren Seufzen, seine Anweisung wiederholt: „Du machst Fotos und siehst dich nach Spuren um, während DiNozzo die Tatortskizze macht.“ Die Agentin nickt schweigend, denn in ihrem Hals hat sich ein gewaltiger Kloß gebildet, so dass sie im Augenblick nicht dazu fähig ist, eine Antwort zu geben. Der Teamleiter sieht sie noch einmal forschend an, bevor er ihr die Kamera in die Hand drückt und dann damit beginnt, die nähere Umgebung nach Hinweisen abzusuchen. Langsam, beinahe unsicher tritt sie näher an die junge Frau heran und registriert dabei weitere grausame Details ihres Todes. Die nackten Arme und Beine sind mit Stacheldraht, der sich tief in die helle Haut bohrt, an dem hohen Zaun fixiert, doch aus den Wunden ist kein einziger Tropfen Blut geflossen. Die Finger der rechten Hand haben sich um einen roten Gegenstand geklammert, so dass sie genauer hinsieht, um diesen identifizieren zu können. Als sie jedoch erkennt, dass es sich dabei um einen Apfel handelt, der eine Bissstelle aufweist, läuft ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken. Kates Hände zittern kaum sichtbar, als sie die Kamera vor ihre Augen hebt und immer wieder den Auslöser drückt, um das Bild vor sich festzuhalten. Sie versucht, ihre Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen und wirft einen prüfenden Blick nach rechts, um sicher zu gehen, dass keiner ihrer Kollegen etwas davon mitbekommen hat. Erleichtert stellt sie fest, dass sowohl Gibbs als auch Tony in ihre Arbeit vertieft sind, ohne zu realisieren, dass ihre Verunsicherung der Aufmerksamkeit des jüngeren Agenten nicht entgangen ist. Jedoch lässt dieser sich nichts davon anmerken, denn er will sie nicht vor ihrem Vorgesetzten in Verlegenheit bringen und darauf ansprechen. Langsam lässt sie sich in die Hocke sinken und fährt mit einer Hand über den Schnee, als ihr ein funkelnder Gegenstand ins Auge fällt. Nachdem sie einige Fotos davon gemacht hat, hebt sie ihn vorsichtig auf und betrachtet den silbernen Kamm, in dem sich das Licht des Mondes spiegelt. Sie lässt ihn in eine Beweismitteltüte fallen, die sie sorgfältig beschriftet, ehe sie erneut die oberste Schicht des Schnees zur Seite schiebt. Darunter kommt nicht nur eine Schleifspur zum Vorschein, sondern auch Fußabdrücke, die vermutlich zu ihrem Mörder gehören. Ohne ihre Bewegungen zu unterbrechen, ruft sie nach dem Teamleiter: „Gibbs, ich hab hier was.“ Der Angesprochene blickt bei ihren Worten sofort auf und eilt dann auf seine Agentin zu, um sich ihre Entdeckung anzusehen.
 
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sehr schaurig, sehr gut geschriebne. ich finds besonders toll, wie du es schaffst die Stimmung, die Landschaft, den Tatort, die Gefühle zu beschreiben.. es kommt einem vor, als wäre man mittendrin.
Also gut.. nun weiß mal also dass Schneewittchen die Tote ist o_O ich halte an der Theorie fest, dass Kate einen Prince Charming abblitzen hat lassen, der sich jetzt dafür rächt ^^

freu mich schon auf den nächsten Teil, auch wenn ich ihn wohl erst Montag oder Dienstag lesen werde können.

lg syd
 
AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

Hey syd!

Auch an dieser Stelle vielen Dank für dein FB.
Bis du die Antwort auf deine Vermutung bekommst, mußt du dich leider noch eine Weile gedulden.

Trotzdem wünsche ich viel Spaß beim Lesen.

LG Claudia


Kapitel 6: „... but it missed its Happy End“
Washington D.C., 05. Januar 2005

Der Chefermittler begutachtet die Fußabdrücke, die sich tief in den Schnee gedrückt hatten und dann von einer neuen Flockenschicht verhüllt wurden. Die Eiskristalle waren durch die Reibung, die die Schuhe des Mörders ausübten, geschmolzen, bevor der eisige Wind sie nur Sekunden später wieder gefrieren ließ und somit konservierte. Kurz darauf wendet er sich Kate zu und erklärt: „Hol das Spray aus dem Truck, um die Spuren zu fixieren. Dann kannst du sie mit Latex ausgießen.“ Die junge Frau nickt daraufhin verstehend und nachdem sie zahlreiche Fotos von den Spuren angefertigt hat, begibt sie sich zum Wagen, um die notwendige Ausrüstung dafür zu holen. Wenig später geht sie erneut neben den Abdrücken in die Hocke und sprüht sorgfältig das Fixiermittel auf den Schnee, der sich daraufhin sofort verfestigt. In der Zwischenzeit rührt sie eine Masse an, um einen Abguss von dem Abdruck anzufertigen, der sie hoffentlich zu dem dazugehörigen Schuh führen wird. Dann streicht sie vorsichtig die Paste in die Vertiefung im Schnee, bis diese vollflächig bedeckt ist und entfernt nach wenigen Minuten die erhärtete Latexform. Auch dieses Beweisstück wird sorgfältig verstaut und beschriftet, bevor Kate sich erneut der näheren Umgebung der Leiche zuwendet. Noch immer hat sie Mühe, sich von diesem bizarren Anblick zu lösen, doch sie versucht, sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren, um nicht doch noch die Aufmerksamkeit ihrer Kollegen auf sich zu ziehen. Dies gelingt ihr jedoch nur leidlich, denn dieser Tatort löst ein seltsames Gefühl in ihrem Inneren aus und lässt die Gedanken erneut zu ihrem ungewöhnlichen Traum wandern. Es war ihr noch nie passiert, dass sie von ihrer Kindheit geträumt hat, so dass sie sich immer wieder die Frage stellt, wieso dies ausgerechnet heute geschehen ist. Gibbs predigt ihnen ständig, dass es keine Zufälle gibt, doch dies ist für sie eindeutig die einzigst vernünftige Erklärung, so dass sie ihre Überlegungen endgültig in die hinterste Ecke ihres Kopfes verbannt.

Der Wind trägt die Stimme des Pathologen zu den Agenten hinüber, der in eine angeregte Diskussion mit seinem Assistenten versunken ist. Anscheinend debattieren die Beiden gerade über die Vor- und Nachzüge verschiedener Untersuchungsmethoden im Vorfeld einer Autopsie. Gibbs blickt auf, als Ducky neben ihn tritt und erklärt: „Guten Morgen, Jethro. Das ist also das arme Mädchen, das unseren Weihnachtsurlaub so abrupt beendet.“ Ein leises Seufzen folgt auf seine Worte, bevor er seinen Koffer abstellt und dann öffnet, um die Lebersonde herauszunehmen. Während er dabei ist, die Körpertemperatur der Leiche zu messen, schweifen seine Gedanken wie so oft in die Vergangenheit ab: „Das erinnert mich an einen Fall, den ich in England hatte. Ein junges Mädchen war, nur mit einem weißen Nachthemd bekleidet, tot auf einem...“ Doch noch ehe er seine Erzählung fortsetzen kann, wird er von dem Teamleiter unterbrochen: „Wann war der Todeszeitpunkt, Duck?“ Der Angesprochene wirft einen prüfenden Blick auf das Thermometer und erwidert daraufhin: „Ungefähr vor vier bis fünf Stunden.“ Das verstehende Nicken auf Seiten des Agenten geht jedoch in seiner ungeduldigen Nachfrage unter: „Was ist mit der Todesursache?“ Nachdem der Gerichtsmediziner seinen Freund einen Moment strafend ansieht, antwortet er: „Du weißt, dass ich dir genaues erst nach der Obduktion sagen kann. Aber auf den ersten Blick kann ich keine Schuss- oder Stichverletzungen erkennen. Die Augen weisen leichte Petechien auf, was auf Tod durch Ersticken deutet. Am Hals sind jedoch keine Strangulationsmarken sichtbar.“ Während seiner Aussage hat Ducky sich über die Tote gebeugt und nimmt nun einen merkwürdigen Geruch wahr, woraufhin er vorsichtig ihren Mund öffnet. Nachdem er sich vergewissert hat, wendet er sich an seinen Assistenten: „Mister Palmer, was riechen Sie hier?“ Auch dieser nähert sich der Leiche und äußert seine Vermutung: „Ich würde sagen Mandeln.“ Der Pathologe nickt zustimmend, ehe er dem Agenten erläutert: „In der Tat Mister Palmer. Sie wurde mit großer Wahrscheinlichkeit mit Cyanwasserstoff vergiftet. Blausäure.“ Nun mischt sich auch Kate, die bisher schweigend zugehört hat, in die Unterhaltung ein und hält eine Beweismitteltüte hoch: „In ihrer Hand hielt sie einen Apfel. Vielleicht finden wir darauf eine Spur des Gifts.“ „Gut. Wenn wir im Hauptquartier sind, soll Abby ihn sofort untersuchen“, gibt der Chefermittler die Anweisung, so dass die Agentin die Beweise verpackt, um sie gemeinsam mit ihrer Ausrüstung im Truck zu verstauen.

Kaum hat Kate die Tür zum Laderaum geöffnet, als Tony neben ihr auftaucht und sie prüfend mustert, so dass sie genervt fragt: „Was willst du, DiNozzo?“ Verwirrt zieht er die Augenbrauen hoch, denn mit einer solchen Reaktion hat er nicht gerechnet, was er auch deutlich macht: „Hey, was ist denn heute los mit dir? Hat dir jemand die Geschenke geklaut?“ Die einzige Antwort seiner Kollegin auf diese Fragen ist jedoch ein wortloses Augenrollen, bevor sie einen der Koffer in den Wagen hebt. Doch noch ehe er etwas hinzufügen kann, ruft Gibbs nach seinem ranghöchsten Agenten: „DiNozzo, komm her und hilf mir mit der Leiche!“ Nach einem letzten prüfenden Blick zu seiner Partnerin, wendet er sich ab und geht zurück zum Tatort, um dieser Anweisung nachzukommen. Bisher hat er sich die junge Frau nicht genauer angesehen, doch als er dies nun tut, läuft ein eisiger Schauer über seinen Rücken, der nicht von den winterlichen Temperaturen verursacht wird. Ihr Gesicht wirkt wie das einer Porzellanpuppe, was durch die langen schwarzen Haare noch zusätzlich unterstrichen wird, nur der rote Lippenstift wirkt als einzelner Kontrast. Unwillkürlich kann er sich des Gedankens nicht mehr erwehren, dass Caitlin mit ihrer neuen Haarfarbe und den von der Kälte geröteten Wangen eine gewisse Ähnlichkeit zu der Toten aufweist. Leicht schüttelt er seinen Kopf, um diese Überlegungen zu vertreiben, als ihn der ungeduldige Blick des Teamleiters trifft, so dass er eilig näher tritt. Während er die Tote festhält, durchtrennt sein Vorgesetzter vorsichtig den Stacheldraht, mit dem ihr Körper am Zaun fixiert ist. Er lässt das Metall in eine Beweismittelkiste fallen, bevor er gemeinsam mit Tony die junge Frau in den Leichensack legt, den Ducky schon bereitgelegt hat. Danach kümmert er sich um die Drähte, die er sorgfältig eintütet und beschriftet, um sie später zusammen mit den anderen Spuren zu Abby zu bringen. „Wo ist eigentlich unser Bambino?“, durchbricht der jüngere Agent unvermittelt die Stille, doch als Gibbs nicht reagiert, fügt er hinzu: „Ich wette, er liegt noch in seinem gemütlichen Bett, während wir uns hier den Hintern abfrieren.“ Bei diesem Spruch kann sich der Chefermittler, dessen Laune an diesem Morgen von Minute zu Minute weiter sinkt, nicht länger zurückhalten und faucht: „Verdammt DiNozzo, halt endlich den Mund und mach deine Arbeit!“ Wider Erwarten nimmt dieser sich die Worte seines Vorgesetzten zu Herzen und beginnt, die Ausrüstung in den letzten herumstehenden Koffer zu packen und diesen im Truck zu verstauen. Zufrieden registriert der Ältere den Eifer seines ranghöchsten Agenten, so dass er wenig später zur Rückkehr ins Hauptquartier mahnt.
 
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Es geht weiter!
Wie immer viel Spaß beim Lesen!

LG Claudia


Kapitel 7: „Poisoned“
Washington D.C., 05. Januar 2005

Die Rückfahrt zum Hauptquartier verläuft schweigend, denn die Agenten sind nicht nur müde, sondern hängen auch ihren Gedanken über diesen skurrilen Fall nach. Als sie in der Tiefgarage den Truck verlassen haben, macht Gibbs sich umgehend auf den Weg in die Pathologie, während Tony und Kate die Beweise in Abbys Labor bringen. Als die Türen sich leise zischend öffnen, schlägt dem Teamleiter die charakteristische kühle Luft des nahezu in Stille gehüllten Raumes entgegen. Der Pathologe hat sich über die Leiche gebeugt und den Oberkörper mit dem markanten Y-Schnitt geöffnet, während sein Assistent schweigend neben ihm steht und seine Arbeit beobachtet. Ohne aufzublicken begrüßt Ducky seinen Freund: „Eine gründliche Autopsie dauert seine Zeit. Aber das weißt du ja, Jethro. Was kann ich also für dich tun?“ „Was kannst du mir bisher sagen?“, fragt der Angesprochene nachdrücklich, so dass ihm der Gerichtsmediziner seine volle Aufmerksamkeit schenkt und dann zu den Röntgenbildern geht, die schon am Schaukasten hängen. Er deutet nacheinander auf die Aufnahmen, während er erläutert: „Die junge Frau hat keine Knochenbrüche und keine Abwehrverletzungen.“ Erneut tritt er neben den Stahltisch, auf dem die Tote liegt und fährt fort: „Die hellrote Färbung der Haut ist ein typisches Zeichen für Cyanidvergiftung. Die Leichenflecke sind leuchtend rot, da der Sauerstoff im Blut nicht verwertet werden konnte. Die junge Frau hatte vermutlich Kopfschmerzen und Schwindelgefühle, vielleicht auch Krämpfe und Erbrechen, bevor das Gift dann zu Atemnot und Ohnmacht geführt hat. Du bekommst meinen Bericht, sobald ich die Autopsie abgeschlossen habe, doch die Todesursache war allem Anschein nach innere Erstickung, verursacht durch die Aufnahme von Cyanwasserstoff.“ Gibbs nickt bei den Ausführungen des Pathologen, doch ehe er sich zum Aufzug begibt, hakt er nach: „Hast du irgendwelche Hinweise auf ihre Identität, Duck?“ Der Ältere schüttelt seufzend den Kopf und erwidert: „Leider nein, Jethro. Wir haben hier eine Jane Doe. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor, aber ich weiß nicht woher. Ich habe ihre Fingerabdrücke bereits zu Abby geschickt. Vielleicht ist sie in der Datenbank.“ Als er sich zum Gehen wendet, murmelt der Teamleiter: „Das ist sie. Es muss einen Grund geben, dass ich den Fall übernehmen sollte.“

„Hey, Abby“, begrüßt die junge Frau ihre beste Freundin, die ihr sofort um den Hals fällt, während Tony die Kiste mit den Beweismitteln auf einen der Tische stellt. „Schön euch zu sehen. Kate, deine neue Haarfarbe sieht toll aus. Du solltest dabei bleiben.“ Die Angesprochene verdreht jedoch nur genervt die Augen und erwidert: „Ich glaube nicht. Aber auf alle Fälle werde ich nie wieder mit dir wetten.“ Die Forensikerin grinst nur und plappert darauf los: „Wie waren eure Feiertage? Ihr glaubt gar nicht, wie aufregend es ist, Weihnachten in einem Kloster zu verbringen.“ Sie holt tief Luft und setzt zu einer weitreichenden Erzählung an, als der junge Mann sie stoppt: „Abbs, es tut mir leid, aber Gibbs will Ergebnisse.“ Sie zieht einen Schmollmund und gibt ein genervtes Murmeln von sich, als sie sich ihrem Computer zuwendet: „Ich habe ihre Fingerabdrücke bereits durch die Datenbanken gejagt. In unserer bin ich fündig geworden.“ Bei dieser Aussage sehen sich ihre Kollegen entsetzt an, denn dies bedeutet, dass die Tote in der Autopsie eine von ihnen war. Keiner der drei bemerkt, dass sich die Schiebetüren erneut öffnen und der Teamleiter mit zwei großen Bechern in der Hand das Labor betritt und sie umgehend aus ihrer Bestürzung reißt: „Wie ist ihr Name, Abbs?“ Die junge Frau wendet sich ihrem Vorgesetzten zu, der sie fragend anblickt und erklärt mit bedrückter Miene: „Special Agent Lisa Thompson. Sie hat seit vier Jahren für den NCIS in San Diego gearbeitet und zuvor...“ Doch noch ehe sie ihre Ausführungen beenden kann, unterbricht er sie tonlos: „... in Washington D.C.“ Tony und Kate mustern den Chefermittler verwirrt, doch dieser ist in nachdenkliches Schweigen verfallen, so dass sie sich an Abby wenden, die erklärt: „Sie war zwei Jahre lang Mitglied von Gibbs' Team. Gemeinsam mit Stan Burley. Ihr erinnert euch doch noch an ihn?“ Sie erwartet keine Antwort auf diese rhetorische Frage, doch die Agenten nicken wie in Trance und versuchen, diese Information zu verarbeiten, als die Forensikerin hinzufügt: „Lisa hat sich vor etwa vier Jahren nach San Diego versetzen lassen, weil ihr Freund in der Marine Corps Air Station Miramar stationiert war.“ In diesem Moment ertönt die Stimme des Pathologen, während dieser auf einem kleinen Monitor erscheint: „Abby, ist Jethro noch bei dir?“ Dieser tritt näher an den Bildschirm und hakt sofort nach: „Was hast du gefunden?“ Der Angesprochene seufzt leise und erwidert dann: „Die Autopsie hat meine Vermutung bestätigt, dass unser Opfer erstickt ist. Abigail wird dir genau sagen können, ob Cyanid die Ursache war. Jedoch ist mir aufgefallen, dass ihre Haare erst vor ein oder zwei Tagen gefärbt worden sind.“ „Und genau aus diesem Grund haben wir sie auch nicht erkannt, Duck. Es ist Lisa Thompson“, erklärt der Agent betroffen, so dass der Gerichtsmediziner schlucken muss: „Oh mein Gott, natürlich. Lisa. ... Du musst dieses Schwein finden, Jethro.“ Er wartet die Antwort seines Freundes nicht mehr ab, als er mit diesen Worten den kleinen Knopf drückt und damit den Monitor ausschaltet.

Im Labor hat sich betretenes Schweigen ausgebreitet, das sogar Gibbs dazu nutzt, um sich einige Momente zu sammeln, bevor er schließlich fragt: „Was hast du für uns, Abbs?“ Die Angesprochene wendet sich bedrückt ihrem Computer zu und beginnt, verhaltener als sonst, auf der Tastatur zu tippen, während ihre Rattenschwänze schlaff nach unten hängen. Währenddessen gibt sie den Stand ihrer Untersuchungen wieder: „Auf dem Kamm, den ihr gefunden habt, waren keine Fingerabdrücke. Ebenso auf dem Gürtel, den sie getragen hat. Ich werde die beiden Gegenstände noch weiter untersuchen. Die restliche Kleidung habe ich mir bisher noch nicht vorgenommen. “ Danach verstummt sie und gibt wortlos unzählige Zahlen- und Buchstabenkombinationen in ihren Computer ein, was ihre Kollegen verwirrt registrieren, denn die junge Frau ist nur selten so still. Doch sie alle hat die Nachricht vom Tod einer Agentin aus ihren eigenen Reihen ziemlich mitgenommen, so dass keiner das Schweigen bricht. Wenige Augenblicke später erscheinen auf dem großen Plasmabildschirm zwei chemische Zusammensetzungen, woraufhin die Forensikerin erläutert: „Dies sind die Analysen von Lisas Blut und dem Apfel, den Kate gefunden hat. Ich habe beides sofort auf Rückstände von Cyanwasserstoff untersucht. So mussten meine Babys nicht so lange suchen wie sonst. Deshalb habe ich auch schon so schnell ein Ergebnis.“ Wie immer lassen die langwierigen Erklärungen den Teamleiter ungeduldig werden, so dass dieser drängt: „Komm zum Punkt!“ Ein leises Brummen ist von der jungen Frau zu hören, bevor diese die Inhaltsstoffe auf dem Monitor einblendet und fort fährt: „Beide Proben weisen einen extrem hohen Anteil Cyanid auf. Bereits 60 bis 100 Milligramm wären tödlich gewesen, doch sie hat mindestens die fünffache Dosis aufgenommen. Damit kann ich auch sicher sagen, dass Lisa durch den Apfel vergiftet wurde.“
 
AW: [NCIS] Drops of Blood falling down in Snow

Hallo Ihr Lieben!

Wie jeden Mittwoch gibt es auch heute ein neues Kapitel.
Ich wünsche euch viel Spaß.

LG Claudia


Frohe Weihnachten euch allen!


Kapitel 8: „Dead End“
Washington D.C., 05. Januar 2005

Eine angespannte Stille hat sich im forensischen Labor ausgebreitet, während die Agenten über diesen seltsamen Fall nachdenken, als Tony unvermittelt das Schweigen bricht: „Ducky hat gesagt, Cyanid riecht nach Mandeln. Wieso hat sie dies nicht wahrgenommen?“ Bei dieser Frage bildet sich ein freches Grinsen auf Abbys Gesicht, die eine ihrer ausschweifenden Erklärungen beginnt: „Das ist ganz einfach. Zwischen 30 und 50 Prozent der Menschen können den Geruch der Blausäure genetisch bedingt nicht wahrnehmen. Ich selbst gehöre glücklicherweise nicht dazu, denn das...“ Noch ehe sie ihren Vortrag beenden kann, unterbricht sie jedoch der Teamleiter ungeduldig: „Viel interessanter sind unsere Beweise. Ein Gürtel, ein Kamm und ein vergifteter Apfel.“ Ohne dass er seine Gedanken weiter ausführt, weiß die Forensikerin bereits, worauf er hinaus will, während Anthony ihn noch immer verwirrt anblickt, so dass sie erläutert: „Schneewittchen. Die Haut so weiß wie Schnee, die Lippen so rot wie Blut und das Haar so schwarz wie Ebenholz.“ Der junge Agent zuckt lediglich mit den Schultern, denn er hatte sich noch nie sonderlich für Märchen interessiert, so dass er auch von diesem keine Kenntnis hat. Doch um dies zu überspielen, wendet er sich mit seinem typischen Grinsen an seine Partnerin, die bisher dem Geschehen wortlos gefolgt war: „Das ist doch sicher dein Fachgebiet, Katie.“ Er hat ihre abwesende Miene bemerkt, die sie bereits am Tatort versucht hatte, vor ihren Kollegen zu verstecken, bevor sie aus ihrer Starre erwacht und ihn aufgebracht anfunkelt: „Ja, und? Schneewittchen war mein Lieblingsmärchen als Kind.“ „Was ehrlich? Diese 'armes verstoßenes Mädchen wird von einem edlen Prinzen gerettet' Geschichte?“, kann er sich auf diese Aussage hin nicht verkneifen, so dass die junge Frau ihn wütend anfaucht: „DiNozzo, du bist so ein unsensibler Macho.“ „Schluss jetzt. Wir sind hier nicht im Kindergarten“, unterbricht Gibbs die beginnende Kabbelei seiner beiden Agenten, die daraufhin umgehend verstummen, so dass er bestimmt: „Abby, ich will in zwei Stunden neue Ergebnisse sehen. Ihr beide, kommt mit nach oben! Ich hoffe, dass McGee etwas für uns hat.“ Mit diesen Worten hat er bereits das Labor verlassen, so dass Tony und Kate Mühe haben, ihm zu folgen, bevor sich die schweren Metalltüren des Aufzugs schließen.

Zielstrebig läuft der Teamleiter auf seinen Schreibtisch zu und lässt sich dahinter nieder, so dass Tim seine Kollegen fragend mustert. In wenigen Worten erklärt Tony den bisherigen Stand der Ermittlungen, während Kate erneut in ihre Gedanken versunken scheint, was ihrem Partner nicht entgeht. Doch um sie nicht wieder gegen sich aufzubringen, unterdrückt er den Impuls, sie auf ihre Abwesenheit anzusprechen und nimmt sich vor, dies später unter vier Augen zu tun. Ungeduldig ergreift schließlich Gibbs das Wort: „Was hast du herausgefunden, McGee?“ Ein leises Seufzen entfährt dem jungen Mann, bevor er seine Finger zum wiederholten Mal an diesem Morgen über die Tastatur seines Computers wandern lässt und erwidert: „Der Anruf bei dir wurde von einem Prepaid-Handy aus geführt. Es wurde weder vorher noch danach benutzt. Da es seitdem ausgeschaltet ist, kann ich es auch nicht orten. Ich kann dir aber sagen, dass das Telefonat heute Morgen über den Funkmast in der Nähe des Anacostia Parks weitergeleitet wurde.“ Der Chefermittler nickt bei der Aussage seines jüngsten Agenten und fügt dann hinzu: „Das bedeutet, dass er noch am Tatort war. DiNozzo, McGee, ihr fahrt nocheinmal dorthin. Versucht, einen Zeugen ausfindig zu machen, der zur Zeit des Anrufs einen Wagen in der Nähe gesehen hat.“ Die Angesprochenen sehen sich fragend an, denn dies war so gut wie unmöglich, doch sie wagen nicht zu widersprechen, denn ihr Vorgesetzter nimmt den Fall sehr ernst. Ihnen allen geht es nahe, einen Agenten aus den eigenen Reihen ermordet aufzufinden und seinen Täter fassen zu müssen. Wortlos nehmen die Beiden ihre Marken und Waffen, schultern ihre Rucksäcke, bevor sie im Aufzug verschwinden, um sich auf den Weg in die Tiefgarage zu machen. Noch einige Sekunden sitzt der Teamleiter regungslos an seinem Platz, bevor er plötzlich aufspringt und seinen Agenten folgt, als er bestimmt: „Kate, du versuchst, etwas über unser Opfer herauszufinden! Ich will wissen, warum sie in Washington war.“ Die junge Frau blickt ihm verwundert nach, als sich bereits die Türen des Fahrstuhls hinter ihm schließen, so dass sie sich ihrem Computer zuwendet.

Eine Viertelstunde später kehrt der Chefermittler zurück, geht schweigend zu seinem Schreibtisch und stellt, bevor er sich auf seinem Stuhl niederlässt, einen großen Kaffeebecher auf der Platte ab. Während er sich kurz zurücklehnt, führt er einen zweiten an seine Lippen und nimmt einen großen Schluck, der angenehm heiß seine Kehle hinabrinnt. Nach einem prüfenden Blick auf seine Agentin, die sich in ihre Arbeit vertieft hat, wendet er sich der Akte ihrer Toten zu, die mittlerweile auf seinem Platz liegt. Stille hat sich über dem Teambereich ausgebreitet, während die beiden Agenten konzentriert über das Leben von Lisa Thompson recherchieren. Irgendwann durchbricht Gibbs das Schweigen und fragt nach Ergebnissen: „Kate, was hast du herausgefunden?“ Die junge Frau erhebt sich und tritt vor den Plasmabildschirm, als sie das Bild des Opfers darauf erscheinen lässt und erklärt: „Special Agent Lisa Thompson, 35 Jahre alt. Sie hat seit sechs Jahren beim NCIS gearbeitet, zwei davon hier in D.C. und die vergangenen vier in San Diego. Sie war zu Besuch in der Stadt und sollte heute ihren Dienst wieder antreten. Ihre Eltern haben mir erzählt, dass sie sich gestern von ihnen verabschiedet hat und zurück nach Hause fahren wollte. Wir sollten mit ihrem Vorgesetzten sprechen.“ Der Teamleiter nickt verstehend, während sein Blick noch immer auf dem Monitor ruht, ehe er nachdenklich erwidert: „Unser Täter hat die ganze Sache geplant. Er hat sie gezielt ausgesucht und zugeschlagen, als er wusste, dass sie niemand so schnell vermissen wird. Sie hatte keine Verletzungen, was bedeutet, dass er sich vermutlich ihr Vertrauen erschlichen hat. Er hat ihr die Haare gefärbt und dieses Kleid angezogen. Danach hat er sie in den Park gebracht. Sie ist um Mitternacht gestorben, und er hat um vier bei mir angerufen. Also hatte er nicht viel Zeit für diese Verwandlung. “ Die Profilerin stimmt in diesen Überlegungen mit ihrem Vorgesetzten überein, doch etwas macht sie stutzig: „Aber wieso hat er sie an diesen Zaun gehängt? Das passt doch überhaupt nicht zusammen. In allen anderen Dingen hat er sich an das Märchen gehalten. Wieso nicht dabei?“ „Du meinst, ein gläserner Sarg wäre angemessener gewesen?“, fragt er ein wenig spöttisch nach, doch Kate verdreht nur genervt die Augen. Nun fängt auch ihr Boss schon damit an, auf ihrer Vorliebe für Märchen herum zu reiten, als wäre es nicht schon genug, wenn DiNozzo das ständig tut. Gibbs mustert seine Kollegin für einige Sekunden, denn prinzipiell muss er ihr zustimmen, doch seiner Meinung nach hatte der Mörder einen Grund für dieses Handeln: „Damit wollte er ein weithin sichtbares Zeichen setzen. Für ihn ist das Gesamtbild wichtig.“
 
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Und wieder erwartet euch ein neues Kapitel.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

LG Claudia

Einen guten Rutsch und ein frohes Neues Jahr an alle!


Kapitel 9: „Little Snow White“
Washington D.C., 05. Januar 2005

Kurz nach der Mittagspause sind auch Tony und McGee zurückgekehrt, so dass sich das Team nun bereits seit einigen Stunden erfolglos durch die Akten von Lisa Thompson arbeitet. Wie erwartet, hatten auch die erneute Tatortbesichtigung und die Suche nach Zeugen absolut nichts gebracht und lediglich Zeit gekostet, so dass sich langsam Frustration breit macht. Plötzlich kommt ein junger Mann die Treppe zum MTAC hinunter geeilt und reißt sie aus ihrer Konzentration, als er sich an den Teamleiter wendet: „Agent Gibbs, Ihre Videokonferenz steht.“ Mit diesen Worten ist er bereits wieder verschwunden, so dass ihm der Angesprochene folgt und sich auch die Übrigen auf den Weg nach oben machen. Auf dem riesigen Plasmabildschirm des Konferenzraumes sind zwei Männer zu sehen, von denen der Ältere sich an den Chefermittler wendet: „Ich bin Special Agent Davis, der Vorgesetzte von Agent Thompson. Und das ist ihr Partner Special Agent Scott.“ Mit diesen Worten deutet er auf den jungen Mann neben sich, der mit ernster Miene ein Nicken andeutet. „Lisas Tod hat uns wirklich sehr getroffen“, bekräftigt der Teamleiter aus San Diego dann und fügt hinzu: „Wenn wir Ihnen bei Ihren Ermittlungen irgendwie behilflich sein können...“ Auf dieses Angebot geht Gibbs sofort ein und hakt nach: „Hatte Agent Thompson mit jemandem Streit? Hat ihr ein Verdächtiger gedroht?“ Nun mischt sich auch der jüngere Kollege in das Gespräch ein: „Nein, Lisa war bei allen sehr beliebt. Und was die Drohungen betrifft, die sind wir in unserem Job schließlich gewöhnt.“ Es ist nicht zu übersehen, dass der Tod seiner Partnerin dem Agenten sehr nahe geht, so dass sein Boss fortfährt: „Es hat in den letzten Wochen und Monaten keine außergewöhnlichen Vorkommnisse gegeben.“ Bisher ist Kate gemeinsam mit den Anderen schweigend der Unterhaltung gefolgt, doch nun stellt auch sie eine Frage: „Was ist mit ihrem Freund? Wegen ihm ist sie doch vor vier Jahren nach Kalifornien gezogen. Wo können wir ihn erreichen?“ Der Chefermittler schüttelt jedoch den Kopf und erwidert: „Die Beiden haben sich vor über zwei Jahren getrennt. Er ist seit einigen Monaten im Einsatz im Irak.“ Mit dieser Aussage ist ihnen der letzte Verdächtige ausgegangen, doch Tony hakt noch einmal nach: „Wie war Ihr Verhältnis zu Ihrer Kollegin, Agent Scott?“ Der Angesprochene starrt den jungen Mann entsetzt an, ehe er aufgebracht zischt: „Sie war meine Partnerin. Wir hatten weder ein Verhältnis noch eine Affäre. Wie können Sie...“ Doch noch bevor er seiner Wut freien Lauf lassen kann, hält ihn sein Vorgesetzter zurück: „Ich hoffe, wir konnten Ihre Fragen beantworten. Sollten Sie unsere Hilfe benötigen, stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.“ Nach diesen Worten verschwindet das Bild der beiden Männer vom Monitor, so dass das Team ohne neue Erkenntnisse zu seinen Schreibtischen zurückkehrt.

Das kleine Mädchen steht vor dem Spiegel und betrachtet sich aufgeregt, während die orangefarbenen Strahlen der Herbstsonne ihr beinahe schwarzes Haar glänzen lässt, das in weichen Wellen auf ihre Schultern fällt und sich sich von dem strahlenden weiß ihres langen Kleides abhebt. Ein glückliches Lächeln ziert ihre rot geschminkten Lippen, die dieses Bild noch vervollständigen und eine kleine Version von Schneewittchen aus ihr machen. „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“, fragt sie schließlich neugierig, doch statt des glänzenden Rahmens antwortet ihre Mutter, die hinter sie getreten ist: „Prinzessin, Ihr seid die Schönste im Land.“ Das Mädchen strahlt bei diesen Worten noch mehr als zuvor, so dass die Ältere erklärt: „Lass uns fahren, Katie. Du willst doch nicht zu spät zu deiner Kostümparty kommen.“ Die Angesprochene nickt zustimmend und greift nach ihrer Jacke, die sie sich hastig überzieht, während ihre Mutter nachhakt: „Wo ist dein Bruder?“ Die Kleine zuckt unwissend mit den Schultern, so dass die junge Frau sich zur Treppe wendet und genervt ruft: „Komm endlich runter! Wir müssen los.“ Nur Sekunden später kommt ein Junge die Treppe hinunter gelaufen, der in das Gewand eines stattlichen Prinzen gehüllt ist und sich galant vor den beiden Damen verneigt. Danach hält er seiner Schwester den Arm hin und fragt höflich: „Darf ich bitten, Prinzessin?“ Kichernd deutet das Mädchen einen Knicks an und hakt sich dann bei ihrem Bruder ein, um gemeinsam mit ihm das Haus zu verlassen und in den Wagen zu steigen. Auch hier öffnet der Elfjährige zuvorkommend die Tür und lässt der jungen Dame den Vortritt, bevor er nach ihr auf den Rücksitz klettert.

Die Dunkelheit hat sich auf die Stadt gesenkt und hüllt auch das Hauptquartier ein, in dem bereits Ruhe eingezogen ist, denn der Großteil der Agenten, genießt den verdienten Feierabend. Nur an den Arbeitsplätzen des Teams um Leroy Jethro Gibbs brennen noch die Schreibtischlampen und erhellen mit ihrem diffusen Licht die Akten, durch die sie sich seit Stunden erfolglos arbeiten. Der Chefermittler hat sich vor einiger Zeit auf den Weg zu seinem Coffeeshop gemacht, um sich neuen Vorrat für die bevorstehende lange Nacht zu besorgen und ist bisher nicht zurückgekehrt. Die junge Frau ist an ihrem Tisch eingenickt und bewegt sich nun ruhelos auf dem Stapel Papiere hin und her, was die Aufmerksamkeit ihres Partners auf sich zieht. Besorgt mustert er ihren unruhigen Schlaf und erhebt sich schließlich, um zu ihr hinüber zu gehen und sie zu wecken. Vorsichtig spricht er sie an, ohne jedoch eine Reaktion zu erhalten, so dass er sie sanft am Arm berührt und erneut flüstert: „Kate? Kate!“ Abrupt fährt sie hoch und blickt sich einen Moment verwirrt um, bevor sie ihren Kollegen registriert und fragt: „Was? Tony, was ist los?“ Ein leichtes Schmunzeln schleicht sich auf seine Lippen, als sie ihn verschlafen ansieht, so dass er erklärt: „Du bist eingeschlafen. Ich dachte, ich wecke dich, bevor Gibbs zurück ist.“ „Ja..., danke“, gibt sie zögerlich und noch immer ein wenig durcheinander zurück, woraufhin der junge Mann nachhakt: „Ist alles in Ordnung mit dir?“ Diese Worten lassen Kate nun ihn verwundert mustern, denn der besorgte Unterton in seiner Stimme ist nicht zu überhören, doch sie weicht seiner Frage aus: „Sicher. Warum fragst du?“ „Du warst so unruhig. Hast du schlecht geträumt?“, fragt er erneut nach, doch sie antwortet abweisend: „Nein. Alles bestens.“ So ganz kann er dieser Aussage keinen Glauben schenken, doch er weiß, dass er sie nur gegen sich aufbringen würde, wenn er weiterhin nachbohrt, also erwidert er zögernd: „Okay.“ In diesem Augenblick kündigt das leise 'Pling' das Eintreffen des Aufzugs an, aus dem nur Sekunden später ihr Vorgesetzter mit zwei großen Kaffeebechern in der Hand tritt. Zielstrebig geht er auf seinen Arbeitsplatz zu und lässt sich dahinter nieder, bevor er einen Schluck des starken Gebräus trinkt. Prüfend lässt er seinen Blick über sein Team schweifen, das sich mittlerweile wieder in die Akten des Falls vertieft hat und ist zufrieden. Doch dann registriert er die Uhrzeit an seinem Computer und beschließt, seine Agenten in den Feierabend zu entlassen: „Geht nach Hause! Heute finden wir nichts mehr heraus.“ Kaum hat er diese Worte ausgesprochen, als die Drei eilig ihre Sachen packen, bevor er es sich vielleicht anders überlegt, und kurz darauf im Fahrstuhl verschwinden.
 
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